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Kapitalanlagen international, Steuern & Recht

Die Jahresendrally kommt
oder auch nicht. Wenn fast alle unisono – wieder einmal – fabulieren, dass nun (warum eigentlich?) einer Jahresendrallye nichts mehr im Wege stehe, dann ist das, wie immer, letztlich Kaffeesatzleserei. Nicht die Statistik von gestern, sondern die Ereignisse von morgen werden die Weltbörsen bestimmen: Kippt Italien? Am 04.12.2016 findet dort ein von Matteo Renzi initiiertes Verfassungsreferendum statt. Und das könnte für Renzi zum Bumerang werden, Neuwahlen auslösen und die Linkspopulisten von Cinque Stelle unnötig erstarken lassen. Das wiederum würde, flankierend zum Brexit, ein Auseinanderbrechen der EU zumindest wieder in die Schlagzeilen auf Seite 1 bringen.

Der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed kann für zusätzliche Unruhe sorgen. Ob ein zweiter Zinsschritt um vermutlich 25 Basispunkte wirklich schon „eingepreist“ ist, genau das ist die grosse Frage. Der von vielen befürchtete Crash am USAnleihenmarkt könnte bitterer Ernst werden, vermutlich nicht erst, wenn die Zinserhöhung Realität ist, sondern schon vorher – kurz vorher. Auslöser für alles könnten auch die US-Wahlen sein, sollte wider Erwarten Trumpel Trump doch noch das Rennen machen. Mittlerweile eher unwahrscheinlich, aber – noch immer – keinesfalls ausgeschlossen. Wie auch immer: Wenn Sie zu allem eine positive Meinung über den Ausgang haben (alles halb so schlimm bzw. wird schon gut gehen), dann sollten Sie konsequent auch voll auf eine Jahresendrally setzen. Denn dann, nur dann, steht wirklich nichts im Wege.

Vor allem, hören Sie nicht auf Experten: Ist es nun Schwachsinn, was „Investment-Guru“ Marc Faber gerade zum Besten gibt, oder will er – durch die Blume – altersweise geworden nur sagen, dass alles möglich ist und er, auch er, eigentlich nichts weiss? Auf der einen Seite gibt Faber zum Besten, dass alles ganz, ganz schlimm ist, also alles mit einem fürchterlichen Crash enden wird. Auch, so Faber, beim Dow Jones werde es zum Crash kommen, ABER: Das könne beim Niveau von 20‘000, von 50‘000 oder von einem noch sehr viel höheren Stand aus geschehen. Aha! Letztlich, so Faber, könne insbesondere die expansive Geldpolitik noch sehr viel länger weitergehen und alle (!) Assetklassen noch weiter in die Höhe treiben. Also: Der Crash kommt, vielleicht schon morgen oder irgendwann in ferner Zukunft und bis dahin kann alles noch ins Unermessliche steigen oder auch nicht. Wer hätte das gedacht?

Es ist schon auffallend: Fast alle „Experten“ überbieten sich mittlerweile unisono in völlig unverbindlicher, völlig nichtssagender Phrasendrescherei. Alle beschwören die, wie nicht, völlig falsche Geldpolitik der Notenbanken (anstatt vielleicht einmal zu fragen, was denn wirklich die Alternative gewesen wäre und wo wir „mit unserem Vermögen“ dann stünden), beschwören, wie nicht, den Zusammenbruch von allem und jedem, wollen aber auch nicht ausschliessen, dass alles noch lange so weitergehen kann und alle Assetklassen noch ungeahnte Höhen erklimmen können. Klar, besser kann man sich ja nicht positionieren: Egal was passiert, jeder wird für sich beanspruchen, es ja schon immer gesagt zu haben!

Ehrlicher, konkreter und auch unterhaltsamer hat es vor hundert Jahren Mark Twain auf den Punkt gebracht: „Oktober. Einer der besonders gefährlichen Monate für Börsenspekulationen. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar“. Genau.

© jur. Muc 2016

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