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Recht vertraulich: Flucht aus dem Euro…

… oder in den Euro?

Wer dem Euro entfliehen will, so ist immer wieder zu lesen, muss auf fremde Währungen setzen. Als geeignete Fluchtwährungen werden die üblichen Verdächtigen gehandelt: Schwergewichte wie der US-Dollar, der Schweizer Franken und das britische Pfund, daneben die Währungen rohstoffreicher Länder wie Australien, Brasilien, Kanada, Neuseeland und Norwegen. Allerdings: Ob nun gerade der US-Dollar noch als sicherer Hafen bewertet werden kann, ist mehr als fraglich. Die beispiellosen Gelddruckprogramme des Fed signalisieren alles andere als eine starke Währung. Und die „Rohstoffwährungen“ wie australischer Dollar und norwegische Krone haben zumindest auf aktuellem Niveau ein erhebliches Handicap: Sie sind schlicht und einfach sehr teuer.

„Muss man dem Euro entfliehen?“ ist aus unserer Sicht zunächst die richtige Fragestellung. Und es gibt gute Gründe, diese Frage mit Nein zu beantworten. Man muss ein wenig querdenken und – gegen den populistischen Mainstream – Entwicklungen zu Ende denken:

Zunächst und grundsätzlich: Bricht der Euro zusammen? Eher nicht: Der Euro muss gerettet werden. Und daher wird der Euro gerettet. Weil alles andere insbesondere für Deutschland weitaus verheerendere Folgen  hätten. Es geht insoweit – das sind unsere Thesen seit 2008 – nur um das geringere Übel, so bitter das auch alles sein mag. Aber selbst wenn der Euro zusammenbricht, wäre man im „deutschen“ Euro gut aufgehoben.

Hierzu ein kleiner Exkurs:

Aus den „Südstaaten“ ist nun schon seit über 1 Jahr ein beispielloser Run der Geldströme Richtung Deutschland zu beobachten. Alle wollen ihr Geld nach Deutschland tragen. In deutsche Staatsanleihen, die dadurch nur noch zu absurd niedrigen Zinsen rentieren. Bevorzugte Anlageobjekte sind auch Wohnimmobilien in deutschen Grossstädten wie Hamburg, Berlin und München sowie deutsche Büro- und Geschäftshäuser, auf die insbesondere ausländische Staatsfonds und Pensionskassen ein Auge geworfen haben. Doch warum gerade nach Deutschland, also in den Euro? Auch immer mehr Schweizer investieren in Deutschland und damit in den Euro.

Investoren, die ihr Geld nach Deutschland bringen, haben folgendes Szenario im Hinterkopf: Wenn der Euro nicht zusammenbricht, ist man mit seinem Geld in Deutschland grundsätzlich gut aufgehoben. Und wenn der Euro zusammenbricht: Dann vermutlich erst recht. Denn eine wiedereingeführte D-Mark (die alte deutsche Mark wäre aktuell, wenn es sie denn noch gäbe, die Fluchtwährung Nr. 1!) würde dann zu allen anderen Währungen vermutlich massiv aufwerten. Was für deutsche Kapitalanleger bedeuten würde, dass diese genau dann (anders als gedacht!) mit ihren Fremdwährungen erhebliche Währungsverluste erleiden würden. Das gleiche Szenario gilt abgeschwächt auch dann, wenn – das wäre noch am ehesten denkbar – sämtliche Euro-Rettungsversuche scheitern und sich „nur“ die schwächeren Länder (vor allem die Süd-Staaten) aus dem Euroraum verabschieden. Auch dann gilt, dass der verbleibende Euroraum mit Deutschland (sog. Nord-Euro) wieder eine vergleichsweise stabile Währung hätte, die sich dann ebenfalls – insbesondere auch zum US-Dollar – stetig aufwerten dürfte.

Nicht zu vergessen: Bei der aktuellen Euro- und Schuldenkrise ist ein wenig in Vergessenheit geraten, dass sich die etablierten Industriestaaten eigentlich im Währungskrieg (Abwertungswettlauf!) befinden – in der Tat will man zwecks weltweiter Absatzerfolge die eigene Währung schwächen. Oder anders ausgedrückt: Länder wie die USA, Japan oder auch die Schweiz würden es im eigenen Interesse sehr begrüssen, wenn die deutsche Exportnation wieder mit einer harten D-Mark oder einem härteren Nord-Euro den damit erschwerten Wettbewerb aufnehmen müsste.

Fazit: Aus dem „deutschen“ Euro muss man nicht ohne Not flüchten. Das Paradoxe ist, dass man in Fluchtwährungen gerade dann, wenn der Euro doch ganz oder teilweise zusammenbrechen sollte, vermutlich empfindliche Währungsverluste erleiden dürfte. Im Finanzbereich würde sich dann wieder einmal bewahrheiten: Es kommt meist anders als die meisten denken. © jur. Muc 2012

Autorisierte Quelle: “Geldbrief”,  Abonnements mit Rabatt bei www.marketlettercorp.com

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1 Kommentar

  1. Uwe Uwe
    Januar 8, 2013    

    Sicher sind auch Sachwerte eine Überlegung wert. Zum Beispiel Öl Direktbeteiligungen.

    http://www.oelinvestor.de

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